Vorausschau

Die Zukunft der Zivilgesellschaft
aus Sicht von Engagierten

Die fünf vorangestellten Prognosen haben jeweils einen bestimmten Umweltfaktor in den Blick genommen und Zukunftserwartungen für die Zivilgesellschaft auf Basis des jeweiligen Faktors formuliert. Nun wirken auf die Zivilgesellschaft der Zukunft allerdings viele Umweltfaktoren gleichzeitig und stehen zudem in Wechselwirkungen zueinander. Diese Komplexität erhöht die Ungewissheiten über die tatsächliche Zukunft und lässt sich in der Regel über Prognosen nur teilweise abbilden.

Vor diesem Hintergrund hat sich in den vergangenen Jahren Foresight (auch genannt: strategische Vorausschau) als alternative beziehungsweise ergänzende Methodik der Zukunftsbetrachtung etabliert. Im Rahmen von Foresight-Prozessen werden mehrere Umweltveränderungen gleichzeitig in den Blick genommen und auf Basis verschiedener Entwicklungsannahmen in konsistente, denkbare Zukunftsszenarien kombiniert.

In diesem Kapitel werden die Ergebnisse unseres Szenarioprozesses (Foresight) vorgestellt. Diese Ergebnisse sind das Produkt eines partizipativen Prozesses: Im September und Oktober 2021 haben wir diese im Rahmen mehrerer Workshops mit Vertreterinnen und Vertretern aus gemeinnützigen Organisationen unterschiedlicher Themenfelder, Verbände, Wirtschaftsunternehmen und Hochschulen gemeinsam entwickelt. Ziel der Einbindung von Stakeholdern war einerseits, den Austausch innerhalb der Zivilgesellschaft über Zukunftstrends zu fördern und andererseits, im Sinne eines Empowerments, die Foresight-Methodik bekannter zu machen. Ein Überblick der Workshop-Teilnehmenden ist Kapitel 6 zu entnehmen.

Im Folgenden dargestellt sind zunächst die im Rahmen der Workshops identifizierten Schlüsselfaktoren für die Zukunft der Zivilgesellschaft. Anschließend stellen wir plausible Zukunftsszenarien vor, die mehrere Schlüsselfaktoren kombiniert berücksichtigen. Für jedes Szenario präsentieren wir eine Reihe von Handlungsoptionen für zivilgesellschaftliche Organisationen im Hier und Jetzt, um auf die beschriebenen Szenarien einzuwirken.

Schlüsselfaktoren im Überblick
Soziale & ökonomische Spaltung

Entwicklung der Ungleichheit hinsichtlich Wertschöpfung,
Einkommensverteilung, sozialer Sicherheit und Bildung.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Veränderungen in sozialen Unterstützungsbedarfen
und Zusammensetzung von freiwillig Engagierten.

Exogene Schocks

Häufigkeit und Intensität
auftretender politischer und wirtschaftlicher Schocks.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Veränderte Anforderungen als „krisenfeste“ Organisationen und Anpassungen an den Umgang mit spontan Engagierten.

Klimakrise

Entwicklung der Ungleichheit hinsichtlich Wertschöpfung,
Einkommensverteilung, sozialer Sicherheit und Bildung.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Veränderungen in sozialen Unterstützungsbedarfen
und Zusammensetzung von freiwillig Engagierten.

Zeit als Ressource

Veränderung der zeitlichen Ressourcen für Engagement.
Speist sich aus Veränderungen der Arbeitswelt,
der Gesundheit, der Geschlechterrollen
und des demographischen Wandels.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft: Veränderungen in der soziodemografischen Zusammensetzung von Engagierten.
Herausforderungen für die Besetzung von Leitungsfunktionen.

Diversität & Teilhabe

Wahrnehmung und Anerkennung von Vielfalt und Teilhabe
als Eigenschaft unserer Gesellschaft.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Veränderte Anforderungen, mit einer diversen Gesellschaft
umzugehen und als Instrument gegen gesellschaftliche
Polarisierung aufzutreten.

Sozialraumentwicklung

Entwicklung der Ressourcen und Herausforderungen
innerhalb verschiedener Sozialräume,
zum Beispiel aufgrund des demografischen Wandels.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Veränderte Herausforderungen in der Gewinnung
von Freiwilligen und Funktionsträger:innen
sowie in der Zusammenarbeit von Generationen.

Neues Engagement

Wandel von Engagementmotiven und Engagementformen.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Anpassung an neue Engagementformen (zum Beispiel virtuelles Engagement, episodische Projektarbeit), neue Organisationsformen (zum Beispiel informelle Netzwerke) sowie Herausforderungen, diese mit klassischen Engagementstrukturen in Einklang zu bringen.

Digitalisierung

Umwandlung von analogen in digitale Systeme
mit Auswirkung auf sämtliche Lebensbereiche
(Arbeitswelt, Dienstleistungen, Freizeit etc.).

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
veränderter Bedarf an digitalen Fähigkeiten im Engagement, neue Engagementformen, Chancen und Risiken für Teilhabe.

Politische Rahmenbedingungen

Politische Einstellungen gegenüber der Zivilgesellschaft, Beziehungsgestaltung Staat/ Zivilgesellschaft, Rechtsrahmen, finanzielle Ausstattung und Förderpraxis.

Auswirkungen für die Zivilgesellschaft:
Veränderter Umfang an staatlicher, institutioneller Förderung, veränderter Innovationsdruck oder auch
politischer Handlungsspielraum (shrinking spaces).

Metropolregionen Szenario 1:
„Viele Menschen auf engem Raum? Na klar halten wir zusammen!“

Was früher undenkbar war, stellt im Jahr 2031 kein Problem mehr dar. Nachdem auch die letzten Hardliner in den großen Parteien eingesehen haben, dass Kommunalpolitik nicht zwischen zwei starken Fraktionen ausgehandelt und Entscheidungen top-down exekutiert werden können, haben sich zwei Möglichkeiten eröffnet: Zum einen wurden die wachsenden Mitgestaltungsansprüche einer jungen und emanzipierten Zivilgesellschaft nicht länger als Bedrohung, sondern als Chance verstanden.

Zudem wurde in digitalen Medien und Technologien stärker der Schlüssel für erweiterte Formate der Mitgestaltung erkannt. Das hat insbesondere zur Stärkung dezentraler kommunaler Strukturen und der Stärkung von Vierteln und Quartieren beigetragen. Und damit auch die Identifikation der Einwohnerinnen und Einwohner mit ebendiesen.

Ungelöst ist hingegen noch immer, wie ältere Menschen und traditionelle Vereinsstrukturen mit wenig digitalem Know-how mitgenommen werden können. Zwar haben zuletzt 83 Prozent der Stadtbevölkerung am lokalen Entscheid teilgenommen, ob nach der Innenstadt auch weitere Teile des Stadtgebietes für Autos komplett gesperrt werden sollen. Laut Exit-Poll des Soziologie-Instituts der Ludwig-Wilhelm Universität lag der Altersdurchschnitt bei den anderen 17 Prozent allerdings bei 72 Jahren, was die neuen Muster von Exklusion klar zum Ausdruck bringt.

Jenseits dieses Punktes wird von Gemeinsinn und Zusammenhalt aber immer häufiger nicht mit besorgter Miene, sondern mit viel Optimismus gesprochen. Die Digitalisierung hat die Grenzen zwischen Stadt und Land nivelliert. Außerdem arbeiten immer mehr hochqualifizierte Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in ländlichen Regionen und stärken die Brücken zwischen Stadt- und Landgesellschaft.

Was können zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute tun?

Generations- und formatübergreifende Angebote schaffen:
Ältere, aber auch jüngere, weniger digitalaffine Menschen, können sich vor dem Hintergrund des rapiden digitalen Wandels gesellschaftlich ausgeschlossen fühlen. So könnten zivilgesellschaftliche Organisationen vermehrt Angebote schaffen, die unterschiedliche Anforderungen und Bedarfe bündeln und entstehende Konflikte moderieren. Sie können Treiber des Wandels sein, zum Beispiel durch innovative Ideen zur Stadtentwicklung. Sie können über neue Beteiligungs- und Partizipationsformate insbesondere unter älteren Menschen aber auch die Akzeptanz für gesellschaftlichen Veränderung erhöhen.

Hybride Partizipationsmöglichkeiten beibehalten:
Das Szenario verdeutlicht den Prozess der Verlagerung vieler Aktivitäten in den digitalen Raum. Dennoch sollten auch klassische (physische) Beteiligungsformate weiter beibehalten werden, gerade um ältere Menschen in politische Prozesse zu integrieren. Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten sich also zur Förderung des Dialogs zwischen Bürgerinnen und Bürgern und Politik für eine Parallelität aus digitalen und analogen Formaten einsetzen.

Welche Kompetenzen müssen langfristig aufgebaut werden?

Management von Vielfalt stärken:
Das Szenario macht die Notwendigkeit deutlich, dass geschlossene Gruppen, wie ältere und jüngere Menschen, bereits Engagierte und Interessierte, häufiger und besser miteinander ins Gespräch kommen müssen. So kann gegenseitige Akzeptanz und Integration geschaffen werden. Dies beinhaltet auch die Fähigkeit, inklusive Angebote zu konzipieren.

Digitale Medienkompetenz entwickeln:
Die stark zunehmende Verlagerung von Informationsvermittlung und Partizipation im digitalen Raum erfordert eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie man im digitalen Raum an glaubwürdige Informationen gelangt. Zivilgesellschaftliche Organisationen könnten sich Kompetenzen aneignen, digitale Medienkompetenz selbst zu vermitteln und ebenso als glaubwürdige Faktencheckerinnen und Faktenchecker im digitalen Diskurs zu fungieren.

Welche Forderungen sollten an Dritte gestellt werden? Zwischen welchen Akteurinnen und Akteuren könnten Allianzen gebildet werden?

Bedarfsanalysen für exkludierte Gruppen:
Zur Konzeption inklusiver Angebote besteht der Bedarf einer Sensibilisierung, an welchen sozio-demografischen Merkmalen sich digitale Spaltung feststellen lässt. Von wem sprechen wir konkret, wie segregieren sich Gruppen und wie können wir sie einbinden? Zur Beantwortung dieser Fragen könnten gezielte Kooperationen zwischen Forschungsinstituten und zivilgesellschaftlichen Organisationen aufgebaut werden.

Strukturierte Mitgestaltungsoptionen:
Zwar zeigen sich bereits heute Bestrebungen seitens der Politik, Partizipationsmöglichkeiten von Bürgerinnen und Bürgern zu stärken. Zu wenig mitgedacht wird dabei allerdings bislang die Rolle von zivilgesellschaftlichen Organisationen, die Interessen bündeln, Expertise in einem Themenfeld aufbauen und als Intermediäre in Partizipationsprozessen auftreten. Dies sollte aktiv eingefordert werden. Hierzu sollten Best-Practice-Beispiele aus anderen Ländern aktiver genutzt werden.

Allianzen innerhalb der Zivilgesellschaft:
Zur Stärkung einzelner Stadtteile im Sinne inklusiver Communities sollten zivilgesellschaftliche Organisationen themenfeldübergreifend kooperieren, zum Beispiel über die Bereiche Sport, Soziales und Bildung hinweg. Gleiches gilt für mögliche Allianzen zwischen Organisationen aus den Bereichen Bildung und Umwelt.

Metropolregionen Szenario 2: „Es ist einfach zu viel!
Zu viele Menschen, zu viele Probleme!“

Die Zuzüge in Metropolregionen waren in den vergangenen zehn Jahren dramatisch. Die zunehmende Dichte des Zusammenlebens führt dazu, dass sich immer mehr Problemthemen emotional aufladen und in Konflikten entladen.

Im Jahr 2031 verlaufen diese Risse quer durch Sportvereine und Kiezinitiativen. Die rasant voranschreitende Durchdringung des Alltagslebens mit digitalen Technologien und Medien hat dazu beigetragen, dass Gemeinschaftsbildung und die Formierung neuer gesellschaftlicher Gruppen immer mehr im Netz stattfinden. Kommunalverwaltung und -politik haben digitale Beteiligungsmöglichkeiten immer noch ungenügend verstanden.

Der Modernisierungsstau ist in der Verwaltung ressourcenbedingt enorm. Erst vergangene Woche wurde mit einem ironisch-feierlichen Akt der letzte Rechner im Amtsgericht, der mit Windows XP lief, abgeschaltet.

Politische Maßnahmen und Strategien gehen zunehmend an den wahrgenommenen Bedarfen der Städterinnen und Städter vorbei, da Versuche einer besseren Einbindung und Beteiligung in Entscheidungsprozesse allenfalls halbherzig angegangen wurden. Die zunehmend junge Stadtbevölkerung – ältere Menschen sind in den vergangenen Jahren nur sehr wenige zugezogen – segregiert sich daher zunehmend in politisch-kulturelle Milieus.

Gegenüber den umliegenden Gemeinden und ländlichen Regionen hat sich in einzelnen Teilen der Gesellschaft eine neue Form von Chauvinismus entwickelt.

Was können zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute tun?

Analoge Räume der Verständigung schaffen:
Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten gezielt analoge Räume der übergreifenden Verständigung schaffen und fördern. Im Szenario hat sich die bereits heute sichtbare digitale Blasenbildung verschärft. Orte des Austauschs jenseits des Digitalen sind eine wichtige Voraussetzung, um emotional aufgeladene Konflikte und Probleme zu moderieren. Prädestiniert hierfür sind zivilgesellschaftliche Organisationen jenseits des politischen Engagements, zum Beispiel Sportvereine oder Freizeitvereinigungen.

Engagement bildungsferner Gruppen fördern:
Da Bildung ein stark selektiver Faktor für die Aufnahme eines Engagements ist, bestehen in der Engagementpolitik und den Engagementmöglichkeiten in zivilgesellschaftlichen Organisationen wichtige Schlüssel für gelungene Einbindung und Partizipation. Hier braucht es große Anstrengungen unter Organisationen, neue, niedrigschwellige Engagementangebote zu schaffen und unterschiedliche Formen der Ansprache zu erproben. Andernfalls befördert die Zivilgesellschaft selbst, aufgrund der Unterrepräsentanz bildungsferner Gruppen im Engagement, die im Szenario beschriebenen Spaltungstendenzen.

Welche Kompetenzen müssen langfristig aufgebaut werden?

Diskursfähigkeit stärken:
Das Szenario verdeutlicht die Notwendigkeit, dass die verschiedenen gesellschaftlichen Gruppierungen häufiger und besser miteinander ins Gespräch kommen. Dies impliziert die Fähigkeit eigene Positionen zu reflektieren und die Bereitschaft, mit Empathie auf komplett andere Gruppen und Meinungen einzugehen.

Digitale Medienkompetenz entwickeln:
Die stark zunehmende Verlagerung von Informationsvermittlung und Partizipation in den digitalen Raum erfordert eine Auseinandersetzung mit der Frage, wie man im digitalen Raum an glaubwürdige Informationen gelangt. Zivilgesellschaftliche Organisationen könnten sich Kompetenzen aneignen, digitale Medienkompetenz selbst zu vermitteln und ebenso als glaubwürdige Faktencheckerinnen und Faktenchecker im digitalen Diskurs zu fungieren.

Welche Forderungen sollten an Dritte gestellt werden? Zwischen welchen Akteurinnen UND AKTEURE könnten Allianzen gebildet werden?

Verwaltungsmodernisierung aktiv einfordern:
Das Szenario verdeutlicht die bereits heute sichtbaren Defizite in der Ressourcenausstattung und Digitalität öffentlicher Verwaltungen. Hier könnten sich zivilgesellschaftliche Organisationen aktiv mit politischen Forderungen für eine auf Bürgerinnen und Bürger zentrierte Verwaltung einbringen. Moderne Verwaltungen sind nicht nur für administrative Prozesse essenziell, sondern auch zur Umsetzung eines staatlichen Community Managements und moderner Beteiligungsformen.

Engagement- und Demokratielernen in Schulen integrieren:
Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten zur stärkeren Verankerung des Engagement- und Demokratielernens in Schulen eingebunden werden, vor allem, wenn Schulen zentrale Zukunftskompetenzen (Demokratiebildung, digitale Bildung) unzureichend fördern. Angebote seitens zivilgesellschaftlicher Organisationen könnten hier durch schulübergreifende Ansätze das Aufbrechen von Silos fördern.

Einsatz für gleichwertige Lebensverhältnisse über Allianzen innerhalb der Zivilgesellschaft:
Der im Szenario beschriebene starke Zuzug in Metropolen ist gleichzeitig Ausdruck unzureichender Attraktivität des Lebens in peripheren und ländlichen Räumen. Daher sollten innerhalb der Zivilgesellschaft Netzwerke und Allianzen gefördert werden, die den Austausch zwischen Organisationen in unterschiedlichen Räumen fördern. So könnten Organisationen und Verbände in Metropolen eine Unterstützungsinfrastruktur für Organisationen im ländlichen Raum aufbauen, zum Beispiel mit Blick auf digitales Arbeiten.

Periphere Räume Szenario 1:
„Hier können und wollen wir füreinnander da sein.“

Im Jahr 2031 ist das Leben in der Peripherie deutlich kostengünstiger als in Metropolen. Während die Privatisierung des Wohnraums in Großstädten die Mietkosten hat explodieren lassen, ziehen Fördermaßnahmen für sozialverträgliches Wohnen in der Peripherie sowohl Geringverdienende als auch Menschen der sogenannten Mittelschicht an. Mit einem kostenlosen und schnellen Regio-Express und flächendeckender schneller Internetverbindung, pendeln die Bürgerinnen und Bürger höchstens zwei Tage die Woche entspannt zwischen Arbeitsplatz und Heim.

Die gute digitale Infrastruktur macht das Umland auch für mittelständische Unternehmen wieder attraktiver. Sie wollen ihren Angestellten mehr Lebensqualität in der Nähe der Natur bieten. Auch die kommunalen Kassen freuen sich über ein deutliches Plus an Steuern. Die Unterteilung in soziale Schichten ist eigentlich auch nur noch ein urbanes Problem, denn der vor 10 Jahren feierlich begangene Tag peripherer Kommunen legte den Grundstein für einen gemeinsamen Investitionstopf und schuf damit erfolgreiche Tatsachen für den Ausbau der Mobilität und gute (digitale) Bildung für alle.

Das breite zivilgesellschaftliche Engagement erfährt ein Comeback! Alle profitieren von der ausgeprägten gesellschaftlichen Solidarität, die gemeinsam weiter ausgebaut werden soll, zum Beispiel durch die aktive Partizipation von Minderheiten in der Gesellschaft und einen Fokus auf nachhaltiges Leben. Das Leben in der Peripherie orientiert sich an neuen Werten: Eine bewusstere Gestaltung der eigenen Zeit wird wertgeschätzt und somit auch eine bewusstere Berufswahl nach dem sinnstiftenden Charakter der Tätigkeit. Politische Partizipation, ob in Form eines Rats der Bürgerinnen und Bürger oder durch aktive Parteimitgliedschaft, zeigt Wirkung vor Ort und macht wieder Spaß.

Was können zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute tun?

Zivilgesellschaft zum Abbild der lokalen Gesellschaft machen:
Themenangebote, Ziele und Interessen unterscheiden Organisationen teils sehr stark. Entsprechend sind Mitglieder, die wiederum in ihren Bekannten- und Familienkreisen neue Engagierte mobilisieren, häufig sehr unterschiedlich und in sich homogener als es die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ist. Organisationen können mehr erreichen, wenn sie mehr Perspektiven aus unterschiedlichen Milieus und Lebenswelten zulassen und in den Entwicklungsprozess neuer Aktivitäten und Angebote integrieren.

Welche Kompetenzen müssen langfristig aufgebaut werden?

Innovationsfähigkeit:
Aufgrund der starken Rolle des Staates in der Daseinsvorsorge nimmt die Zivilgesellschaft in dem Szenario mittelfristig eine Innovationsfunktion ein. Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten daher gezielt Kompetenzen aufbauen, um als effektive Ideen- und Impulsgeberinnen aufzutreten und dem Staat die Übernahme beziehungsweise Finanzierung besonders erfolgreicher Programme und Initiativen vorzuschlagen.

Digitalkompetenz:
Die voranschreitende Digitalisierung wird auch die Nachfrage von Interessenten nach digitalen Engagement- und Partizipationsmöglichkeiten erhöhen, sodass Organisationen hier frühzeitig Expertise aufbauen sollten. Erste Ideen und Versuche gibt es bereits, doch diese sind noch zu unbekannt. Organisationen sollten daher nicht darauf hoffen, von Dritten miteinander vernetzt zu werden. Sie sollten selbst aktiv werden und ihr eigenes Netzwerk aus Expertinnen und Experten, Neulingen und Neugierigen aufbauen.

Welche Forderungen sollten an Dritte gestellt werden? Zwischen welchen Akteurinnen und Akteuren könnten Allianzen gebildet werden?

Lobbyarbeit bei der Politik vor Ort betreiben:
Durch die wichtige Rolle kommunalpolitischer Richtungsentscheidungen sollten zivilgesellschaftliche Organisationen aktiv den Dialog mit den relevanten Entscheidungsträgerinnen und -trägern aufnehmen und dauerhaft pflegen. Nur über konstruktive Zusammenarbeit von Kommunen und Zivilgesellschaft kann der Positiveffekt von Entwicklungen, wie oben beschrieben, tatsächlich erreicht werden.

Kooperationen mit Unternehmen schaffen:
Zeit war, ist und wird wesentliches Kapital bleiben. Eine sinnstiftende Zeitnutzung schafft Wohlbefinden, Motivation und Energie für neue Herausforderungen. Mit einfachen Mitteln können Unternehmen diese Potenziale nutzen und sollten hier direkt mit Organisationen aus der örtlichen Zivilgesellschaft zusammenarbeiten.

Unterstützung im Ausbau der digitalen Ressourcen einfordern:
Digitale Formate des Austauschs und des Engagements bedürfen einer Verbindung von neuem, schnellem und IT-versiertem Engagement und klassischer Ansprache. Vereine werden Unterstützung bei der technischen, der datenschutzkonformen und regelmäßigen Umsetzung digitaler Formate benötigen. Die Bereitstellung notwendiger Ressourcen von der staatlichen Engagementförderung, von Stiftungen und auch von Unternehmen, sollte die Zivilgesellschaft aktiv einfordern.

Periphere Räume Szenario 2: „Ich kann überhaupt nicht verstehen,
warum Frau Müller keinen Dienst in unserem Dorfladen übernimmt!“

Im Jahr 2031 sind periphere Räume zu Orten des kooperativen Zusammenlebens geworden, die sich als weitgehend eigenständig und unabhängig von Metropolregionen verstehen. Leben in der Peripherie steht unter der Norm des bewussten Commitments für innovative Lebenskonzepte und -formen, die nicht länger auf eine Verbesserung der staatlichen Daseinsvorsorge warten wollen. Engagierte Menschen treibt die Überzeugung an, dass es allein von ihnen abhängt, wie sie leben können und wollen. Lernen ist kein Begriff mehr, den das staatliche Schulsystem gepachtet hat, sondern eine Selbstverständlichkeit alternativer Lern- und Kulturorte. Die Hilfe zur Selbsthilfe hat Engagement revitalisiert, jedoch zum Aussterben von Traditionsvereinen beigetragen.
Die starke normative Identifikation treibt die Aktiven in ihren Initiativen an, jedoch sind jene ausgeschlossen, die nicht die notwendigen Ressourcen hierfür haben: Zeit ist gerade für Berufstätige im Niedriglohnsektor 2031 ein absoluter Luxus. Da der Zugang zur digitalen Welt stark mit dem individuellen Bildungshintergrund und Alter schwankt, wird der rapide digitale Wandel zu einem Katalysator gesellschaftlicher Ungleichheiten. Die Kommunalpolitik hat es leider verpasst, Mehrwerte des digitalen Strukturwandels durch Bildungsangebote zu vermitteln und frühere soziale Spaltungen aufzuheben. Diese Spaltung wird durch das hohe Engagement der einen und das fehlende der anderen vertieft. Entsprechend kann es sich auch nur die Gruppe der Engagierten leisten, sich für Formen und Themen der politischen Partizipation zu interessieren. Sie bringt sich aktiv, über ihr Wahlrecht hinaus, ein.

Was können zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute tun?

Aufbau von inklusiveren Formaten für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern:
Sozioökonomisch schlechter gestellte Menschen beteiligen sich in deutlich geringerem Umfang an politischen Prozessen. Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten daher niedrigschwellige Beteiligung initiieren, die weniger stark von aktivem Engagement abhängig sind, sondern auf Partizipation insgesamt abzielen — so beispielsweise ein Entscheidungsprozess über die Verkehrsführung an der örtlichen Schule.

Niedrigschwelligere Engagementmöglichkeiten schaffen:
Gleichzeitig sollten zivilgesellschaftliche Organisationen aktiv den Dialog mit bis dato nicht engagierten Menschen suchen und darauf aufbauend: neue Angebote für Engagement schaffen. So wäre beispielsweise eine neue Form der Mitgliedschaft denkbar, die nicht dauerhaft bindet, aber alle Vorzüge einer Mitgliedschaft für einige Wochen ermöglicht. Der Beitrag könnte anstatt des Geldes in Engagementstunden geleistet werden und so zu einem leichteren Kennenlernen und Eingewöhnen beitragen.

Zivilgesellschaft zum Abbild der lokalen Gesellschaft machen:
Themenangebote, Ziele und Interessen unterscheiden Organisationen teils sehr stark. Entsprechend sind Mitglieder, die wiederum in ihren Bekannten- und Familienkreisen neue Engagierte mobilisieren, häufig sehr unterschiedlich und in sich homogener als es die Gesellschaft in ihrer Gesamtheit ist. Organisationen können mehr erreichen, wenn sie mehr Perspektiven aus unterschiedlichen Milieus und Lebenswelten zulassen und in den Entwicklungsprozess neuer Aktivitäten und Angebote integrieren.

Welche Kompetenzen müssen langfristig aufgebaut werden?

Kompetenz in der Nachfolgeplanung entwickeln:
Führungskräfte sollten bereits heute Kompetenzen in der Gewinnung von Nachwuchs entwickeln. Solche Kompetenzen könnten auch kommunal gefördert und in Infrastruktureinrichtungen des Engagements gebündelt werden: Diese Zentren würden der Beratung von Menschen dienen, die sich schon in bestehenden Strukturen engagieren, an Engagement interessiert sind beziehungsweise neue Bündnisse schmieden wollen. Seitens der Kommunen müssten solche Zentren professionell aufgestellt sein.

Kompetenz mit Blick auf Organisationsentwicklung stärken:
Insbesondere klassische Vereine müssen Kompetenzen in der Ansprache und Integration bis dato weniger in der Mitgliederbasis vertretenen Menschen aufbauen, um einerseits einen Integrationsbeitrag zu leisten und andererseits eigenen Herausforderungen in der Nachfolgeplanung zu begegnen. Zudem zeigt das Szenario die Notwendigkeit zum Aufbau von Change-Management Kompetenz, also der Anpassungsfähigkeit von Organisationsstrategien und –strukturen an veränderte Rahmenbedingungen. Dazu zählt insbesondere auch die Stärkung digitaler Angebote und Know-how, um integrativ wirken zu können.

Welche Forderungen sollten an Dritte gestellt werden? Zwischen welchen Akteurinnen und Akteuren könnten Allianzen gebildet werden?

Digitale Bildung stärken:
Zivilgesellschaftliche Organisationen können sich für eine bessere digitale Bildung zusammentun. Wissens- und Vermittlungskompetenzen der einen werden ergänzt um das Umsetzungs-Knowhow der anderen. Schließlich werden gemeinsam mehr Menschen erreicht als in Einzelaktionen. Zugleich erhöht dies den Handlungsdruck der staatlichen Bildungsverantwortlichen.

Engagementkooperationen mit Kommunen und Unternehmen aufbauen:
Unternehmen und staatliche Einrichtungen können mit Angeboten an ihre Angestellten Engagement attraktiver machen, die dieses beispielsweise in die Arbeitszeit integrieren, oder besondere Ehrungen und Belohnungen schaffen.

Ländliche Räume Szenario 1: „Leben auf dem Land?
Das ist für mich ein tolles Experiment!“

Das Leben auf dem Land ist im Jahr 2031 attraktiv wie nie. Menschen mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Zielen und Idealen zieht es aufs Land. Der Staat hat endlich erkannt, wie notwendig der Zugang zur digitalen Welt ist: Stark ausgebaute digitale Infrastruktur mit Glasfaserkabeln sind 2031 Realität, genau wie digital arbeitende Schulen und Büchereien in fast allen Landkreisen. Die Mehrheit der Menschen ist inzwischen versiert im Umgang mit digitalen Anwendungen: E-Health hat in Form von Telemedizin und Online-Apotheken in der ländlichen Gesundheitsversorgung Einzug gehalten, Online-Marktplätze vernetzen den lokalen Einzelhandel mit der Kundschaft.

Es gibt eine größere Bereitschaft, Engagement in den digitalen, ortsunabhängigen Raum zu verlagern und ganz neue Formen digitalen Engagements entstehen zu lassen. Ländliche Räume werden so immer mehr zu Experimentallaboren. Nicht nur die freie Zeit wird bewusster eingesetzt, auch die Berufswahl unterzieht vor allem die junge Generation einem Qualitätscheck. Unternehmen sehen dies als Chance für vermehrtes Corporate Volunteering.

Andererseits gibt es Menschen, denen der Innovationstrend missfällt. Immer wieder wird die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben so neu verhandelt, mit der Zivilgesellschaft als aktiver Debattentreiberin – in beide Richtungen. Einen weiteren Nebeneffekt hat das Ganze: Die Dorfbewohnerinnen und -bewohner des Jahres 2031 sind politisiert, sie wollen sich einbringen, ganz abseits von Wahlen, und fordern politische Partizipation in Beiräten, und anderen kommunalen, regionalen und bundesweiten Beteiligungsprozessen.

Was können zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute tun?

Neue Räume des Austauschs schaffen:
Neue Angebote sollten konkrete Problemlagen und Konflikte aufgreifen und die Diskussion in kleinen Gesprächsrunden ermöglichen. Physische Räume vor Ort sollten geschaffen werden, um diese als multifunktionale Begegnungsräume oder Vereinszentren zu revitalisieren.

Proaktiv den Austausch mit Kommunen suchen:
Gerade mit Blick auf die Schaffung von Räumen könnten Kommunen Infrastruktur zur Verfügung stellen oder selbst eine koordinierende Rolle einnehmen. Hierbei können Kommunen auch ein verbindendes Glied zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft sein. Kommunen als Ansprechpartnerinnen für beide Sphären könnten hier eine (digitale) Vermittlung zueinander leisten (Ehrenamtsbörse, Aufstellung von Förderbedarf).

Welche Kompetenzen müssen in zivilgesellschaftlichen Organisationen langfristig aufgebaut werden?

Ambiguitätstoleranz und Kompetenzen der Konfliktmoderation entwickeln:
Unterschiedliche Meinungen auszuhalten und kontrovers zu diskutieren, ist eine zentrale Voraussetzung für gelungenen Austausch und eine lebendige Debattenkultur jenseits gesellschaftlicher Silos. Zivilgesellschaftliche Bildungsorganisationen im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit sollten sich auf die Entwicklung dieser Kompetenzen konzentrieren. Um kontroverse Themen und Konflikte zu moderieren, benötigen Engagierte aber auch Möglichkeiten der Weiterbildung in der Konfliktmoderation, die von Dachverbänden und anderen Netzwerken angeboten werden sollten.

Digitale Kreativität fördern:
Des Weiteren bedarf es innerhalb der Zivilgesellschaft einer größeren Vorstellungskraft und Bereitschaft, digitale Räume kreativ zu nutzen. Organisationen sollten sich mit den Fragen befassen, wie Formen des digitalen Engagements jenseits klassischer Vorstandsarbeit aussehen könnten und wie Konflikten zwischen digital Engagierten und klassisch-analog Engagierten vorgebeugt werden sollten.

Traditionsmanagement stärken:
Vereine sind Orte der Tradition. In ländlichen Räumen ist die Tradition ein starker Bezugsrahmen und teilweise mit starker Symbolkraft ausgestattet. Modernes Ehrenamt muss einen respektvollen Umgang damit finden und seine neuen Formen des Engagements auch abgleichen auf mögliche Anknüpfungspunkte. Von allen Seiten bedarf es hierfür Offenheit und Toleranz.

Welche Forderungen sollten an Dritte gestellt werden? Zwischen welchen Akteuren könnten Allianzen gebildet werden?

Kooperationen mit der Wirtschaft fördern:
Die Bedeutung der Zivilgesellschaft als Standortvorteil für wirtschaftliche Unternehmungen muss noch mehr argumentiert und populär proklamiert werden. Hier sind insbesondere Stiftungen gefragt, mit starken Beispielen und guter Argumentation diese Brücke zu schlagen.

Mitsprache in der Raumplanung einfordern:
Zivilgesellschaftliche Organisationen sollten sich aktiv in Prozesse der Raumplanung auf kommunaler Ebene einbringen und Interessen artikulieren. Räume des Austauschs müssen in Planungsprozessen vorgesehen sein. Da sich bereits heute eine Verringerung von Gemeinschaftsflächen zugunsten privater Wohnflächen zeigt, ist die Stimme der Zivilgesellschaft in der Sozialraumplanung besonders wichtig.

Ländliche Räume Szenario 2:
„Früher war doch alles besser!“

Erinnerungen an faszinierende und berüchtigte Kommunen aus den 1970ern werden wach. Auf der Suche nach Spiritualität und vereint durch gemeinsame Ideen und Ideale zogen in den Jahren 2020 bis 2030 immer mehr Menschen aufs Land. Auch der Wunsch nach Entschleunigung und Entkoppelung nach den fordernden Pandemie-Jahren hat viele angetrieben und so ist das Landleben im Jahr 2031 geprägt durch Digital Detox: Einer Abschottung von den Herausforderungen der Digitalität.

Aus den einstigen Revoluzzerinnen und Revoluzzern, die mitunter kritisch beäugt wurden, sind im Jahr 2031 agile, netzwerkbasierte Vereinigungen geworden, denen in manchen Landkreisen die Mehrheit der Dorfbewohnerinnen und -bewohner angehört. Einheit und Gleichheit, ein Zurückbesinnen weg von Ratio hin zum Spirituellen – diese Bewegungen rücken in den Mittelpunkt und lassen Debatten um Diversität und Teilhabe, wie sie in Berlin-Kreuzberg, Leipzig-Connewitz oder im Hamburger Schanzenviertel geführt werden, vergessen. Staat und Zivilgesellschaft sind in diesen Landkreisen oft nicht mehr präsent. Auch Politik interessiert inzwischen kaum noch jemanden, auch wenn die meisten noch fleißig ihr Kreuzchen bei den Wahlen setzen; sie verwalten sich selbst. Anlass zur Sorge bereiten Siedlungsprojekte von Rechtsradikalen, die die Idee der Volksgemeinschaften wiederbeleben.

Während die neuen spirituellen Bewegungen auf naturnahe Traditionen als Orte des Engagements setzen und ohne klassische Vereinsstrukturen und Ehrenamt auskommen, verschärfen sich in Vereinen und Verbänden die bereits zuvor vorhandenen Nachwuchsprobleme: Nachfolgerinnen und Nachfolger werden nicht mehr gefunden, Vereine sterben, stattdessen gibt es kleinere Communities von Engagierten. Wer sich noch klassisch engagiert, besitzt meist einen hohen formellen Bildungsgrad. Zeit wird bewusst gestaltet, nicht nur im Privat- sondern auch im Berufsleben. Auch den Sinn ihrer Arbeit hinterfragen immer mehr, egal ob sie zu den einstigen Revoluzzern gehören, die neu aufs Land gezogen sind, oder zu den Alteingesessenen zählen.

Was können zivilgesellschaftliche Organisationen bereits heute tun?

Analoge, unpolitische Begegnungsräume schaffen:
Da Dörfer gemäß dem Szenario zu Räumen für Digital Detox werden, sollte der Fokus von zivilgesellschaftlichen Organisationen auf der Schaffung analoger, unpolitischer Angebote liegen, um die Gesinnungsgemeinschaften gesellschaftlich zu integrieren. Ziel muss es sein, Räume des kleinsten Konsenses zu schaffen, damit ein Gesprächsfaden aufrechterhalten bleibt.

Offene Mitgliederstrukturen und Diversität innerhalb der Organisation stärken:
Zivilgesellschaftliche Organisationen auf dem Land sollten sich frühzeitig für eine diverse Mitgliederstruktur einsetzen. Das Szenario verdeutlicht die Gefahr, dass andernfalls typischerweise zivilgesellschaftlich organisierte Aktivitäten in die Gestaltungshoheit einzelner Gesinnungsgemeinschaften übergehen. Hier müssen Organisationen bereits heute entgegenwirken.

Welche Kompetenzen müssen langfristig aufgebaut werden?

Verschiedene Meinungen zulassen und aushalten:
Aufgrund der zunehmenden Fragmentierung der Gesellschaft ist es notwendig, Kompetenzen im Umgang mit stark konträren Meinungen zu entwickeln. Das Szenario beschreibt eine Realität, in der wir es verlernt haben, Widersprüche auszuhalten und stattdessen in Absolutheiten denken. Bei der Entwicklung dieser Kompetenz ist zu beachten, dass die Kompetenzvermittlung idealerweise durch eine diverse Gruppe gefördert wird.

Resilienz gegenüber Extremismus stärken:
Zivilgesellschaftliche Organisationen müssen fit dafür gemacht werden, einen starken Gegenpol zur Homogenisierung und Extremisierung zu bilden. Dazu gehört, Extremisierungstendenzen innerhalb der Gemeinschaft vor Ort, aber auch innerhalb der eigenen Mitgliederbasis zu erkennen. Hierbei können regionale Netzwerke gegen menschenverachtende Positionen ein erster Schritt für eine Schärfung bestehender Bedrohungen sein. Wichtig ist auch eine hinreichende finanzielle Ausstattung von Programmen zur Demokratieförderung für kleine Vereine und ein starkes Engagement der Dachverbände.

Welche Forderungen sollten an Dritte gestellt werden? Zwischen welchen Akteurinnen und Akteuren könnten Allianzen gebildet werden?

Netzwerk „nach außen“ stärken:
Dachverbände sollten gezielt Netzwerke der schwach vernetzten Vereine fördern. Ihr Mehrwert muss effektiv vor Ort sichtbar sein. Verbindungen zwischen den Regionen produzieren neue Formen des Engagements und fördern eine Auseinandersetzung mit anderen Lebensweisen.

Verantwortung von Unternehmen einfordern:
Eine vielfältige und kreative Zivilgesellschaft ist als Standortvorteil zu betrachten. Wenn Kultur, Gemeinsinn und Engagement im Ort stark sind, dann stärkt dies den Boden für Ansiedlung und schafft den Raum für Kreativität. Dies sind wichtige Bedingungen, um als Standort künftig für Fachkräfte attraktiv zu sein.

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